Tom (14): Von der geplanten Einweisung in die Kinder- und Jugendpsychiatrie zu neuem Lebensmut
Tom war 14 Jahre alt.
Als seine Mutter bei uns anrief, hörten wir Verzweiflung.
Nicht die Verzweiflung einer Mutter, deren Sohn schlechte Noten schreibt.
Sondern die Verzweiflung einer Mutter, die ihr Kind jeden Tag mehr verliert.
Tom hatte eine diagnostizierte Lese-Rechtschreibschwäche.
Er zog sich immer mehr zurück.
Er verbrachte die meiste Zeit alleine vor dem Computer.
Er hatte kaum Motivation für die Schule.
Zu Hause gab es Streit.
In der Schule Ärger.
Und die Hoffnung seiner Mutter wurde von Monat zu Monat kleiner.
Ein Kinder- und Jugendpsychiater hatte der Familie geraten, vor weiteren Maßnahmen ein Coaching bei uns zu versuchen.
Denn ein anderer Kinder- und Jugendpsychiater wollte Tom bereits stationär in die Kinder- und Jugendpsychiatrie einweisen.
Mit 14 Jahren.
Wenn Du selbst Mutter oder Vater eines Kindes mit LRS bist, dann kennst Du vielleicht diese Gedanken:
„Was passiert gerade mit meinem Kind?“
„Warum wird es immer stiller?“
„Warum kämpft es gegen alles und jeden?“
„Wie soll das später einmal werden?“
Was wir sahen, war kein unmotivierter Junge
Tom kam schwarz gekleidet zum ersten Termin.
Er wirkte ernst.
Verschlossen.
Lustlos.
Viele Menschen hätten vermutlich genau das gesehen.
Wir sahen etwas anderes.
Wir sahen einen Jungen, der über Jahre gelernt hatte, dass Lernen für ihn Schmerz bedeutet.
Jemand, der ständig hört, was er nicht kann.
Jemand, der erlebt, dass andere schneller lesen.
Schneller schreiben.
Bessere Noten bekommen.
Jemand, der irgendwann beginnt zu glauben:
„Mit mir stimmt etwas nicht.“
Doch genau das stimmte nicht.
Hinter der LRS steckte ein Junge voller Fähigkeiten
Als die Atmosphäre lockerer wurde, begann Tom zu erzählen.
Von seinen Interessen.
Von seinen Hobbys.
Von seinen Konflikten.
Von seiner Wut.
Von seiner Enttäuschung.
Und plötzlich war da etwas, das viele Erwachsene längst übersehen hatten:
Ein humorvoller, intelligenter und interessierter junger Mensch.
Ein Junge, der sich danach sehnte, endlich gesehen zu werden.
Nicht als Problem.
Nicht als Diagnose.
Nicht als LRS-Kind.
Sondern als Mensch.
Der entscheidende Moment
Irgendwann sagten wir zu Tom:
„Wir glauben nicht, dass Du eine Lese-Rechtschreibschwäche hast. Wir glauben, dass Du eine Lese-Rechtschreib-Stärke entwickeln kannst.“
Er schaute uns überrascht an.
Diesen Satz hatte er vermutlich noch nie gehört.
Denn die meisten Menschen sprechen über Defizite.
Wir sprechen über Potenziale.
Der Moment, der alles veränderte
Drei Wochen später öffnete sich die Tür.
Und wir mussten zweimal hinschauen.
Tom kam herein.
Der gleiche Junge.
Und doch ein völlig anderer Mensch.
Beim ersten Termin saß uns ein verschlossener, ernst wirkender Jugendlicher gegenüber, der kaum Hoffnung ausstrahlte.
Jetzt stand da ein junger Mann mit einem Lächeln im Gesicht.
Sein Blick war offen.
Seine Ausstrahlung hell.
Seine Energie eine völlig andere.
Wir sprachen über seine Stärken.
Über seine Erfolge.
Über seine Zukunft.
Und natürlich wusste Tom längst, was er beruflich machen wollte.
Wie so oft versteckte sich die Antwort nur hinter einem „Keine Ahnung“.
Denn viele Jugendliche haben verlernt, ihren eigenen Träumen zu vertrauen.
Während wir mit Tom arbeiteten, bekam seine Mutter eine Aufgabe.
Sie sollte auf Post-its schreiben, was sie an ihrem Sohn schätzt.
Seine Stärken.
Seine Talente.
Seine besonderen Eigenschaften.
Anfangs schrieb sie langsam.
Dann immer schneller.
Ein Zettel.
Noch einer.
Und noch einer.
“Kreativ.”
“Humorvoll.”
“Hilfsbereit.”
“Herzlich.”
“Zuverlässig.”
“Künstlerisch begabt.”
“Kann andere zum Lachen bringen.”
Der Stapel wurde immer größer.
Am Ende baten wir Tom aufzustehen.
Seine Mutter las jeden einzelnen Zettel vor und klebte ihn an seinen Körper.
Auf die Arme.
Auf die Schultern.
Auf die Brust.
Auf den Rücken.
Überall Stärken.
Überall Fähigkeiten.
Überall Hinweise darauf, wer Tom wirklich ist.
Nicht die LRS.
Nicht die Probleme.
Nicht die Diagnosen.
Sondern der Mensch.
Als Tom an sich hinunterschaute, wurde es still.
Seine Mutter hatte Tränen in den Augen.
Und Tom grinste.
Dieses Grinsen werden wir nie vergessen.
Denn in diesem Moment sah ein Junge, der jahrelang vor allem seine Fehler gezeigt bekam, plötzlich etwas ganz anderes:
Seinen Wert.
Seine Fähigkeiten.
Seine Möglichkeiten.
Seine Zukunft.
Für Michael und mich sind genau diese Momente der Grund, warum wir Genialico gegründet haben.
Wenn Kinder wieder an sich glauben.
Wenn Eltern ihr Kind wieder mit anderen Augen sehen.
Wenn Hoffnung zurückkehrt.
Dann entstehen Veränderungen, die keine Note der Welt messen kann.
Und genau dann bekommen wir Gänsehaut.
Liebe Grüße
Alexandra & Michael
Lerncoach – Kinder- und Jugendcoach, Azubi-Coach, LifeKinetik-Trainerin, Gedächtnistrainer/in, Autorin und Lerncoach-Ausbilder/n






