LRS und Schule – Fragen, die Lehrerinnen und Lehrer wirklich beschäftigen
Viele Lehrkräfte erleben täglich dieselbe Situation:
Ein Kind ist aufmerksam, interessiert, beteiligt sich mündlich – und trotzdem häufen sich die Fehler beim Lesen und Schreiben.
Vielleicht fragst Du Dich:
- Warum liest dieses Kind trotz Übens noch so langsam?
- Warum schreibt es Wörter heute richtig und morgen wieder falsch?
- Wie kann ich helfen, ohne ständig Druck aufzubauen?
- Wo endet Förderung – und wo beginnt Überforderung?
Die gute Nachricht: Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) sind nicht weniger intelligent. Sie lernen lediglich anders. Wer das versteht, kann Unterricht so gestalten, dass aus Frust wieder Erfolg wird.
Was ist LRS wirklich?
LRS ist keine Frage von Fleiß, Motivation oder Intelligenz.
Viele betroffene Kinder strengen sich sogar deutlich mehr an als ihre Mitschüler. Dennoch lesen sie langsamer, verwechseln Buchstaben oder machen ungewöhnliche Rechtschreibfehler.
Das Problem liegt nicht im Wollen.
Das Problem liegt oft darin, dass das Gehirn Sprache, Laute und Schrift anders verarbeitet.
Warum leiden viele Kinder mit LRS still?
Die meisten Kinder mit LRS hören über Jahre Sätze wie:
- „Du musst mehr üben.“
- „Konzentrier dich doch.“
- „Das müsstest Du längst können.“
Irgendwann beginnen sie, diese Aussagen zu glauben.
Aus einem Rechtschreibproblem wird ein Selbstwertproblem.
Viele Kinder fühlen sich:
- dumm
- langsam
- faul
- falsch
Dabei benötigen sie vor allem Verständnis, passende Strategien und Erfolgserlebnisse.
Wie erkenne ich LRS im Unterricht?
Mögliche Hinweise sind:
- sehr langsames Lesen
- häufiges Erraten von Wörtern
- Buchstabenverwechslungen
- starke Unterschiede zwischen mündlicher und schriftlicher Leistung
- große Unsicherheit beim Schreiben
- Vermeidungsverhalten bei Leseaufgaben
- schnelle Erschöpfung bei schriftlichen Arbeiten
Wichtig: Nicht jedes Kind zeigt dieselben Merkmale.
Warum hilft mehr Üben oft nicht?
Viele Kinder üben stundenlang.
Das Problem ist häufig nicht die Menge des Übens, sondern die Art des Lernens.
Wenn ein Kind immer wieder dieselbe Strategie nutzt, die nicht funktioniert, wird lediglich der Frust trainiert.
Deshalb braucht es:
- gehirngerechte Lernstrategien
- stärkenorientierte Förderung
- Motivation statt Druck
- Erfolgserlebnisse statt ständiger Fehlerkorrektur
Welche Rolle spielt die Sprache von Lehrkräften?
Sprache kann Kinder stärken oder schwächen.
Statt:
❌ „Das ist wieder falsch.”
lieber:
✅ „Du bist auf dem Weg. Lass uns gemeinsam schauen, was schon funktioniert.”
Statt:
❌ „Du musst mehr üben.”
lieber:
✅ „Wir finden einen Weg, der besser zu Deinem Gehirn passt.”
Kinder wachsen an Ermutigung deutlich schneller als an Kritik.
Was brauchen Kinder mit LRS wirklich?
Kinder mit LRS brauchen Menschen, die:
- ihre Stärken sehen
- Potenziale erkennen
- Mut machen
- Druck reduzieren
- individuelle Wege ermöglichen
Denn Lesen und Schreiben sind Fähigkeiten.
Der Selbstwert eines Kindes darf niemals von Rechtschreibfehlern abhängen.
Fazit
Wenn ein Kind mit LRS Schwierigkeiten hat, ist es nicht gegen das Lernen.
Es kämpft oft jeden Tag härter als andere.
Lehrkräfte, die verstehen, wie LRS funktioniert, schenken Kindern etwas Unbezahlbares:
Klarheit. Vertrauen. Hoffnung.
Und genau daraus entstehen neue Lernerfolge.
FAQ für Lehrerinnen und Lehrer
Ist LRS eine Intelligenzschwäche?
Nein. Viele Kinder mit LRS sind kreativ, intelligent und verfügen über große Stärken in anderen Bereichen.
Sollten Rechtschreibfehler immer korrigiert werden?
Nicht immer. Entscheidend ist das Lernziel. Permanente Korrekturen können Motivation und Selbstvertrauen beeinträchtigen.
Können Kinder mit LRS gute Schulabschlüsse erreichen?
Ja. Mit den richtigen Strategien, Unterstützung und einem stärkenden Umfeld erreichen viele Kinder hervorragende schulische und berufliche Erfolge.
Was ist die wichtigste Unterstützung im Unterricht?
Verständnis, Ermutigung und die Bereitschaft, unterschiedliche Lernwege zuzulassen.
Wie kann ich ein Kind mit LRS stärken?
Indem Du nicht nur auf Fehler schaust, sondern bewusst Fortschritte, Stärken und Potenziale sichtbar machst.
Denn Kinder entwickeln sich am besten dort, wo sie sich verstanden fühlen. ❤️






