Die Macht der Sprache – Worte, die Kinder wachsen lassen oder klein machen
Welche Wörter sollten Lehrer möglichst vermeiden?
„Ich habe doch gar nichts Schlimmes gesagt.“
Das stimmt oft.
Die meisten Lehrkräfte möchten motivieren, unterstützen und ihren Schülerinnen und Schülern helfen.
Doch Sprache wirkt nicht nur über das, was gesagt wird.
Sondern auch darüber, was beim Gegenüber ankommt.
Genau deshalb erleben wir in unseren Lerncoachings, Lehrerfortbildungen und Seminaren immer wieder:
Manche Wörter lösen unbewusst Druck, Widerstand oder Unsicherheit aus.
Andere stärken Motivation, Vertrauen und Lernfreude.
Das Wort „müssen“
„Du musst mehr lernen.“
„Du musst Dich konzentrieren.“
„Du musst Dich beeilen.“
Kaum ein Wort erzeugt bei Kindern und Jugendlichen so schnell Widerstand wie „müssen“.
Denn „müssen“ bedeutet:
- keine Wahl haben
- Druck erleben
- fremdbestimmt sein
Das Gehirn reagiert häufig mit innerem Widerstand.
Frage stattdessen:
„Wie kannst Du das schaffen?“
„Was brauchst Du, damit es funktioniert?“
„Welcher nächste Schritt hilft Dir?“
Das Wort „aber“
„Das hast Du gut gemacht, aber …“
Und schon ist das Lob verschwunden.
Die meisten Menschen hören nach dem Wort „aber“ nur noch den zweiten Teil des Satzes.
Aus Anerkennung wird Kritik.
Aus Motivation wird Enttäuschung.
Viel hilfreicher:
„Das hast Du gut gemacht und hier kannst Du noch etwas verbessern.“
Klingt ähnlich.
Wirkt völlig anders.
„Immer“ und „nie“
„Du bist immer zu langsam.“
„Du hörst nie zu.“
„Du machst ständig Fehler.“
Kinder erleben solche Aussagen als Stempel.
Sie fühlen sich bewertet statt unterstützt.
Das Problem:
Das Gehirn beginnt irgendwann, diese Aussagen zu glauben.
Sprich stattdessen konkret über die Situation.
Nicht über die Person.
„Warum kannst Du das nicht?“
Dieser Satz erzeugt oft Scham.
Das Kind kennt die Antwort meist selbst nicht.
Und fühlt sich zusätzlich unter Druck gesetzt.
Hilfreicher wäre:
„Was macht es gerade schwierig?“
„Wo genau hängst Du fest?“
„Wie kann ich Dich unterstützen?“
„Eigentlich“ und „vielleicht“
Diese Wörter wirken harmlos.
Doch sie machen Aussagen weich und unklar.
„Eigentlich solltest Du das können.“
„Vielleicht strengst Du Dich mehr an.“
Kinder wissen dann oft nicht:
War das jetzt wichtig?
Oder nicht?
Klare Sprache schafft Klarheit im Denken.
Besonders problematisch: Etiketten
Viele Kinder tragen solche Sätze jahrelang mit sich herum:
- „Du bist unkonzentriert.“
- „Du bist faul.“
- „Du bist chaotisch.“
- „Du bist schwierig.“
- „Du bist verträumt.“
Solche Aussagen beschreiben keine Situation.
Sie beschreiben angeblich die Persönlichkeit.
Und genau das kann Selbstvertrauen massiv beschädigen.
Ein Kind ist nicht chaotisch.
Es zeigt gerade chaotisches Verhalten.
Ein Kind ist nicht faul.
Vielleicht fehlt ihm eine passende Lernstrategie.
Das ist ein riesiger Unterschied.
Was erfolgreiche Lehrkräfte stattdessen tun
Die Lehrkräfte, die besonders positiv in Erinnerung bleiben, machen etwas anderes.
Sie sprechen über Möglichkeiten.
Sie beschreiben Beobachtungen statt Bewertungen.
Sie stärken Potenziale.
Sie vermitteln:
„Ich sehe Deine Stärken.“
„Ich glaube an Dich.“
„Wir finden gemeinsam einen Weg.“
Genau diese Haltung spüren Kinder sofort.
Unser Fazit
Lehrkräfte prägen weit mehr als Schulnoten.
Sie prägen Selbstvertrauen.
Motivation.
Mut.
Und manchmal sogar den weiteren Lebensweg eines Kindes.
Deshalb lohnt es sich, die eigene Sprache bewusst zu betrachten.
Nicht um perfekt zu sein.
Sondern um Worte zu wählen, die stärken statt schwächen.
Denn Kinder vergessen oft den Unterricht.
Aber sie vergessen selten, wie ein Lehrer sie fühlen ließ.
Von Herzen,
Alexandra Aldinger
Genialico – Lernen mit Herz, Klarheit und Energie
Lerncoach – Kinder- und Jugendcoach, Azubi-Coach, LifeKinetik-Trainerin, Gedächtnistrainerin, Autorin und Lerncoach-Ausbilderin






