Unsere Zukunft geht zur Schule!
Erschreckende Ergebnisse zur neuesten PISA-Studie
Deutsche Schülerinnen und Schüler haben beim internationalen PISA-Vergleich so schlecht abgeschnitten wie noch nie. In Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften erreichten die getesteten 15-Jährigen 2025 die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2000, wie die OECD in ihrer aktuellen Ländernotiz für Deutschland festhält.
Ein Fünftel der 15-Jährigen kann praktische Problemstellungen nicht lösen oder die Hauptaussage eines Textes nicht richtig verstehen. Und die Gruppe der Jugendlichen, die in Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik nicht einmal mehr über die grundlegenden Fähigkeiten verfügt, die es für Ausbildung, Beruf und Alltag bräuchte, wird von Jahr zu Jahr größer.
So geht es nicht weiter!
Wenn die Herkunft entscheidet – und was das eigentlich bedeutet
Eine Ursache liegt tief im System selbst: Bildungserfolg hängt in Deutschland noch immer stark davon ab, aus welcher Familie ein Kind kommt. Laut OECD lagen die Leistungen sozioökonomisch begünstigter Schülerinnen und Schüler 2025 um 125 Punkte über denen benachteiligter Kinder, deutlich mehr als im OECD-Durchschnitt von 85 Punkten. Und dieser Abstand ist seit 2015 sogar noch gewachsen, statt kleiner zu werden.
Dabei verläuft die Trennlinie nicht zwischen Kindern mit und ohne Zuwanderungsgeschichte, sondern zwischen benachteiligten und privilegierten Lebenslagen. Aber was heißt das konkret? Es heißt eben nicht nur, dass in bestimmten Familien weniger Geld für Nachhilfe da ist. Es heißt vor allem: In manchen Familien gibt es jemanden, der beim Lernen begleitet, der Fragen zulässt, der Fehler erlaubt und der einem Kind sagt „Du schaffst das“. Und in anderen Familien fehlt genau das. Nicht, weil die Eltern sich nicht kümmern wollten, sondern weil ihnen selbst Zeit, Wissen oder Kraft dafür fehlen.
Und genau an dieser Stelle wird sichtbar, warum Herkunft kein Schicksal sein muss. Denn das, was fehlt, ist selten Intelligenz oder guter Wille. Es ist Begleitung. Und Begleitung lässt sich lernen, vermitteln und ausbauen, unabhängig vom Elternhaus, wenn man weiß, wo man ansetzen muss.
Erschöpft, statt einfach nur schlecht in der Schule
Das bisherige Schulsystem sorgt in seiner jetzigen Form nicht dafür, dass Schülerinnen und Schüler „besser“ werden. Eher das Gegenteil ist der Fall: Sukzessive werden sie erschöpfter.
Der DAK-Präventionsradar, eine der größten deutschen Schulstudien mit rund 30.000 befragten Kindern und Jugendlichen, zeigt einen klaren Trend: 69 Prozent fühlen sich mindestens einmal pro Woche ausgelaugt und erschöpft, vor drei Jahren waren es noch 52 Prozent. 46 Prozent haben wöchentlich Schlafprobleme. Fast neun von zehn Schulkindern verfügen zudem über keine ausreichende Gesundheitskompetenz, also über zu wenig Wissen und Fähigkeit, mit den eigenen Belastungen überhaupt umzugehen.
Zu einem ähnlichen Bild kommt das Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung: 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler fühlen sich 2025 psychisch belastet, erstmals seit der Coronapandemie wieder steigend. Zwei Drittel fühlen sich mindestens in einigen Unterrichtsstunden überfordert, gut ein Drittel hat oft keine Lust zu lernen oder findet den Unterricht schlicht langweilig.
Kein Wunder, dass die Bundesschüler*innenkonferenz nach Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse einen Satz formuliert hat, den wir seit Jahren predigen: „Wer sich nicht wohlfühlen und nicht partizipieren kann, kann auch nicht lernen.“
Also kann die jetzige Herangehensweise, immer nur draufzusatteln, nicht die richtige sein.
Worauf es wirklich ankommt
Wie ein Umdenken aussehen könnte, zeigt das Deutsche Schulbarometer erstaunlich konkret. Demnach hängt das schulische Wohlbefinden von Kindern zu rund 60 Prozent von vier Dingen ab: ob sie sich unterstützt fühlen, ob die Anforderungen zu ihnen passen, ob das Miteinander in der Klasse gut ist, und wie sie sich selbst einschätzen. Guter Unterricht, so die Studienautoren, „fördert also nicht nur den Lernerfolg, sondern stärkt auch ganz direkt das Wohlbefinden“.
Genau diese vier Punkte sind es auch, mit denen Lerncoaching arbeitet, und das ist kein Zufall. Motivation, also Neugier und Durchhaltevermögen. Strategie, also die Fähigkeit, sich selbst Ziele zu setzen und zu wissen, wie und wo man Hilfe holt. Begleitung, also eine verlässliche Beziehung, die trägt, ohne zu bevormunden. Und Selbstbild, also der Glaube daran, sich entwickeln zu können. Vier Stellschrauben, an denen sich tatsächlich etwas verändern lässt, ganz gleich, wie das Elternhaus aussieht oder wie das Schulsystem gerade aufgestellt ist.
Und die gute Nachricht: Bei mindestens einer dieser vier Schrauben steht Deutschland gar nicht schlecht da. 76 Prozent der Schülerinnen und Schüler glauben laut PISA bereits daran, dass sich Intelligenz durch Arbeit, Anstrengung und Feedback entwickeln lässt, mehr als im OECD-Durchschnitt von 69 Prozent. Die Motivation ist also zweifellos vorhanden. Es hapert eher bei der Strategie: Nur etwa ein Drittel plant systematisch, wie es lernen will, und deutlich weniger Schülerinnen und Schüler bitten ihre Lehrkräfte um Hilfe, als es im OECD-Schnitt üblich ist.
Auswege
Ein reflexhaftes Verhalten ist es, Kinder und Jugendliche dazu anzuhalten, noch mehr zu lesen.
„Du kannst nicht richtig lesen?“ – Also lese noch mehr!
„Du kannst nicht richtig rechnen?“ – Also rechne noch mehr!
Und so weiter.
Nur: Das eigentliche Problem ist dies häufig nicht. Stattdessen dürften Kinder vermehrt lernen, wie man lernt. Wie starte ich eine Aufgabe? Wie setze ich mir ein Ziel? Welche Lernstrategie macht mir Spaß? Wie bleibe ich dran, wenn es schwierig wird? Wie kann ich Neugier wecken? Wie werde ich mir meiner Stärken bewusst?
All dies sind nur einige der Fragen, an denen Lerncoaching ansetzt, damit Kinder und Jugendliche nachhaltig mit Spaß und Neugierde lernen und diesen Antrieb auch auf zukünftige Aufgaben übertragen können. Und wer mitentscheiden darf, wie gelernt wird, fühlt sich dabei nachweislich wohler, das zeigt auch das Schulbarometer. Selbstständigkeit ist also kein netter Zusatz, sie gehört zum Kern dessen, was wirkt.
Denn: „Unsere Zukunft geht zur Schule!“
Dazu empfehlen wir, dass alle, die sich mit dem Lernen befassen, über Lerncoaching nachdenken und dessen Prinzipien umsetzen.
Ihr
Michael Müller
Lerncoach – Kinder- und Jugendcoach, Azubi-Coach, Gedächtnistrainer, Lerncoach-Ausbilder
Quellen:
KfW Research (2026): Deutsche Bildungsleistungen auf niedrigstem Stand seit Beginn der PISA-Erhebung, 10. September 2026.
OECD (2026): PISA 2025 Ergebnisse (Band I) – Ländernotiz Deutschland.
DAK-Gesundheit / IFT-Nord (2026): Der Präventionsradar – Kinder- und Jugendgesundheit in Schulen, 10. Welle 2025/2026.
Robert Bosch Stiftung (2026): Deutsches Schulbarometer Schüler:innen 25/26.






