Bildung beginnt mit Neugier
Warum die Neugier so wichtig für das Lernen ist
Menschen kommen neugierig zur Welt.
Kinder wollen stets alles untersuchen und testen. Sie sind neugierig darauf, was die Welt zu bieten hat und erleben das Neue als spannend und ungemein interessant.
Das ganze Umfeld wird ergründet, getestet und erlebt.
Alles erscheint zunächst unergründlich und unglaublich facettenreich.
Das alles hält zumeist bis zur Schule an.
Dort angekommen lernt es dann Dinge „unter Zwang“ zu lernen so z. B. ein Gedicht.
Es lernt dabei nicht nur Verse, sondern auch, dass dies keinen Spaß macht und Versagen mit einer schlechten Note bestraft wird.
Begreifen ist ein körperlicher Vorgang.
Erst wenn Wissen verkörpert wird, kann Lernen gelingen.
Vom Wortsinn bedeutet „lernen“ soviel wie „einer Spur nachgehen oder „schnüffeln“.
Das klingt nicht nur spannender als „büffeln“, sondern verspricht auch Freiheit und Abenteuer.
Wie aber wollen Kinder eine Fährte verfolgen, wenn ihre Zeit in 45- Minuten Abständen getaktet ist?
Auf jedes Fach folgt ein neues, ohne dass die Dinge in Ruhe zu Ende gedacht werden konnten?
Erst Deutsch, dann Mathe, dann Chemie, dann Musik.
Und das alles im Sitzen: zum Durchatmen geht es zweimal am Tag auf einen öden platten Hof, wo die Kleinen unter Aufsicht Kreise drehen.
Wehe, sie rempeln sich an.
Dass Bewegung Lernen fördert, scheint in der Schule nur bedingt zu gelten.
Also vieles das die Kinder dort erfahren zeigt ihnen, dass die Welt wohl so funktioniert, dass das Lernen keinen Spaß macht und nach oft nicht verständlichen Kriterien benotet wird.
Dadurch bildet sich ein tiefer Frust mit vielem was mit Schule in Verbindung gebracht wird.
Das Gefühl wird noch dadurch bestärkt, dass die Mitschüler/innen ähnliche Eindrücke gewinnen.
Das ganze Wort Schule und viele damit verbundene Fächer werden mit einem negativen Image belegt.
Es entsteht das Gefühl, dass ein/e jede/r erst einmal „dadurch“ muss, um später eventuell ein selbstbestimmtes Leben führen zu dürfen.
Was ist Neugier?
Wissen ist Macht.
Nichtwissen kann aber genauso mächtig sein, denn es weckt unsere Neugier.
Neugier oder Neugierde ist der Hunger nach Wissen, vereint mit der Bereitschaft, sich überraschen zu lassen, zu staunen, sich auf Neues einzulassen und zu lernen.
Ohne diese Eigenschaft, diesen Wissensdurst gäbe es kaum Experimente, Innovationen oder Fortschritt.
Angenommen wird, dass das Bedürfnis und Aufsuchen von Neuem angeboren ist.
Neugier bereichert das Leben. Denn zu leben bedeutet, Neues zu lernen und in Bewegung zu bleiben
Neugier als Basis nachhaltigen Lernens
Da die Neugier überaus wichtig für das Lernen ist, gilt es sie zu entfachen, wieder neu zu entdecken und zu schüren.
Der Lernstoff darf wieder Interesse wecken und den Wunsch wecken dem „Geheimnis“ auf die Spur zu kommen.
Da die Neugier eine Eigenschaft ist, über die jeder Mensch zunächst verfügt, macht sich dies auch Social Media zu Nutze.
Denn endloses Scrollen, Benachrichtigungen und ständig neue Inhalte wecken immer wieder das Interesse weiter zuzuschauen.
Mit diesem hintergründigen Wissen, möchte ich allen Menschen diese 7 Tipps weitergeben um die Neugier zu schüren und ein nachhaltiges Lernen zu gewährleisten.
7 Tipps:
1. Vorbildfunktion
Kinder agieren wie Schwämme und nehmen Gewohnheiten und Einstellungen in ihrer Umgebung auf.
Um sie für das Lernen zu begeistern, zeigen sie ihnen auf, dass sie die Dinge auch lieben.
Also bitte nicht Sonntags schon damit zu beginnen um negativ über die am Montag wieder beginnende Arbeit zu sprechen.
Informieren Sie sich, stellen Sie Fragen und erkunden Sie selbst neue Dinge.
Wenn ihre Kinder erfahren, dass sie Spaß am Lernprozess haben, werden sie dies auch so empfinden.
2. Gestalte das Lernen spannend
Alle gemachten Kindheitserinnerungen prägen, welche Einstellung wir dem Leben gegenüber haben und das Lernen bildet da keine Ausnahme.
Deshalb ist es wichtig das Lernen spannend zu gestalten.
Kinder sind viel eher bereit zu lernen, wenn sie Spaß haben.
Und dies wird auch dadurch gefördert, dass das Lernen nicht immer am gleichen Ort stattfinden muss, wir können überall lernen, sei es im Wald, unter der Dusche, in der Küche, im Café, also wirklich überall.
Dadurch wird lernen als nicht so langweilig empfunden.
Zusätzlich bilden die herkömmlichen, oft verwendeten Lernstrategien wie „ oft durchlesen – merken – aufs Papier bringen keine Flexibilität und werden häufig als langweilig angesehen.
Dabei gibt es so viele, tolle Lernstrategien, die das Lernen spannend gestalten, mit Spaß einhergehen und kreativ sind.
Damit gelingt das Lernen garantiert nachhaltiger.
3. Fördere Fragen und Neugier
Da die Kinder von Natur aus neugierig und viele Fragen stellen, ist es wichtig sie ernst zu nehmen und auf sie zu reagieren, denn diese Fragen bilden die Grundlage für eine lebenslange Neugier.
Wenn sie die Fragen nicht direkt beantworten können, machen sie daraus eine Herausforderung, ein Abenteuer und versuchen sie es gemeinsam herauszufinden.
Dies macht offenkundig, dass das Lernen eine lebenslange Reise ist, an der wir alle teilnehmen können.
4. Finde den Bezug von Gelerntem zur praktischen Anwendung
Lernen findet nicht nur in der Schule statt.
Es ist Teil des Lebens und findet täglich statt.
Wie lernen immerfort.
Dabei ist Lernen Leben.
Kinder begreifen Dinge besser, wenn sie sehen, wie sie in die reale Welt passen.
Hier gilt es die Frage zu beantworten: warum lerne ich das Ganze jetzt?
Was habe ich für einen praktischen Nutzen wenn ich jenes lerne?
Also es geht um die Anwendbarkeit. ( also viele praktische Umsetzungen, wie z. B. Fläche ausrechnen – wieviel Farbe benötige ich um die Wand zu streichen?, einkaufen im Supermarkt – Budgetierung, Brüche – mit kochen u.s.w. ).
Die Kinder lernen dadurch die praktische Anwendbarkeit des Lernstoffes und sehen deshalb auch viel mehr Sinn darin ihn zu lernen.
5. Die passende Lernstrategie zum jeweiligen Lerntyp finden
Alle Menschen sind unterschiedlich und bevorzugen einen jeweiligen anderen Lernkanal.
So lernen viele bevorzugt über das Visuelle (visueller Lerntyp), andere eher über das Hören (auditiver Lerntyp) und wieder andere über den gefühlvollen, haptischen Bewegungstyp (kinästhetischer Lerntyp). Lerntyp-Erkennung
Und dies gilt es zu berücksichtigen; vom Kind: welche Lernstrategien bereiten mir sehr viel Spaß?, welche „liegen“ mir?, welche bringen mich langfristig voran?
Von Lehrer/innen: wie unterrichte ich damit ich möglichst alle erreiche? (evtl multisensorische Strategien), wie bringe ich Abwechslung in den Schulalltag ein? u.s.w.
Wenn diese Leitlinien verfolgt werden, gelingt ein nachhaltiges, produktives Lernen.
6. Interesse zeigen und gegebenenfalls loben
Alle Menschen lieben es, wenn Sie sie vom Umfeld gesehen, anerkannt und ermutigt werden.
Denn dies bedeutet Ihnen sehr viel.
Haben sie Teil am Erkenntnisgewinn der Kinder und belobigen sie sie für das Geleistete.
Beschränken sie sich bitte nicht darauf nur „gut gemacht“ zu sagen.
Stellen Sie zusätzlich Fragen wie „Wie hast du das herausgefunden?“, oder „Kannst du mir zeigen wie das funktioniert?“.
Dies regt die Kinder zusätzlich noch an intensiver über das Gelernte nachzudenken und signalisiert großes Interesse.
7. Belohnen den Weg, nicht nur das Ergebnis
Wenn immer bei jedem Lernen das Ergebnis (Noten) im Mittelpunkt des zu erlernenden steht, schwindet, auch bei evtl. schlechten Noten, die Motivation zum Lernen.
Stattdessen ist es wichtig, den Fokus hin vom „Welche Note hast du erreicht?“ hin zum „Was hast du gelernt?“ zu richten.
Damit wird der Weg belohnt, der oft eine ähnliche Anstrengung beinhaltete wie die ordinäre Note. Es ist wichtig den Lernprozess zu ermutigen, anstatt nur nach schnellen Erfolgen zu suchen.
Fazit:
Die Neugier macht das Leben interessanter und erfüllender und die regt dazu an, neue Dinge auszuprobieren.
Neugier kann dazu führen, neue Fähigkeiten zu erlernen, das Gedächtnis zu verbessern und neue Interessen zu entdecken.
Neugier ist der Hunger nach Wissen und die Bereitschaft, sich überraschen zu lassen und zu lernen.
Sie trägt zur persönlichen Entwicklung und zum Wachstum bei. Neugier kann zu einem Zustand des Flows führen, indem man vollständig aufgeht und ist eine Stärke.
Deshalb: Schüren Sie sie!
Herzlichst
Ihr
Michael Müller
Lerncoach – Kinder- und Jugendcoach, Azubi-Coach, Gedächtnistrainer, Lerncoach-Ausbilder
Gruber, Gelman & Ranganath, 2014, veröffentlicht in Neuron
Quelle: Gruber, M. J., Gelman, B. D., & Ranganath, C. (2014). States of Curiosity Modulate Hippocampus-Dependent Learning via the Dopaminergic Circuit. Neuron, 84(2), 486–496.
